von Anonym

Winterschlaf-Modus
Wenn der Winter kommt
und die Tage kürzer werden,
wenn das Licht leiser wird
und der Himmel früh die Augen schließt,
dann ziehen sich manche Menschen zurück.
So wie Tiere,
die wissen,
dass Kälte Kräfte kostet.
Auch wir gehen manchmal
in einen Winterschlaf-Modus.
Nicht in eine Höhle,
sondern in uns selbst.
Ein Rückzug,
der sagt:
„Ich brauche Ruhe.“
Ein Schutz,
der flüstert:
„Heute darf es weniger sein.“
Eine Pause,
in der wir uns sammeln
wie Atem vor dem nächsten Schritt.
Der Winter macht vieles schwerer.
Einsamkeit klingt lauter,
Dysphorie sticht tiefer,
Familie und Alltag
fühlen sich manchmal an
wie zu große Schuhe.
Alles drückt ein bisschen mehr,
und selbst kleine Aufgaben
werden zu Bergen aus Frost.
Dann ist es okay,
leise zu werden.
Sich einzurollen
in Decken,
in warme Worte,
in das Wissen,
dass man nicht jeden Tag
stark sein muss.
Ich baue mir kleine Inseln im Winter:
Minuten, in denen meine Schultern sinken dürfen.
Stunden, in denen ich nichts erkläre.
Tage, an denen ich nur aus dem Fenster schaue
und mir selbst erlaube,
langsamer zu sein.
Ich teile mir die Welt
in kleine Schritte ein.
Ich halte mich fest
an Wärme,
so wie andere sich
an Sonnenstrahlen klammern.
Ich erinnere mich daran,
dass auch Pflanzen ruhen,
bevor sie blühen.
Dass auch Tiere schlafen,
bevor sie jagen.
Dass auch ich
eine Winterzeit haben darf.
Und irgendwann,
wenn das Licht zurückkommt
und die Luft wieder leichter wird,
stehe ich auf aus meinem Winterschlaf.
Nicht plötzlich,
nicht perfekt,
aber bereit genug
für den nächsten Tag.
Bis dahin ruht ein Teil von mir.
Nicht verloren,
nur geschützt.
Ein kleiner Funke unter Schnee,
der darauf wartet,
wieder zu wachsen.