Coming-Out-Stories: Coming-Out am Esstisch

Lecker, Coming-out!

Ein Coming-out ist ein großer Schritt, meist auch einer der schwierigsten im Leben von queeren Menschen. Es ist nicht leicht, den richtigen Zeitpunkt oder den passenden Platz für ein offenes, vertrautes Gespräch zu finden. Kein Wunder, dass daher viele die Gelegenheit eines gemeinsamen Essens und Beisammenseins nutzen, um sich ihren Liebsten anzuvertrauen. Sei es beim Sonntagsfrühstück mit den Eltern, beim Mittagessen mit Freund*innen, beim Kaffeekranz mit Verwandten oder zum gemeinsamen Abendessen in der Familie, die meist vertraute und entspannte Atmosphäre eignet sich gut für ein solches Gespräch. Diese fünf kurzen Geschichten zeigen, wie unterschiedlich ein Coming-out ablaufen kann. Die einzigen Gemeinsamkeiten: Alle sind gut verlaufen, und alle haben mit Essen zu tun.

Zwischen Tee und Ehrlichkeit

Es war an einem ruhigen Freitagnachmittag, ich war erst eine kurze Weile zuvor aus der Schule gekommen und saß wie so oft mit meiner Mutter am Tisch und trank einen Tee. Ich hatte es nicht wirklich geplant, der Ausgang der Unterhaltung entwickelte sich überraschend spontan. Natürlich hatte ich seit längerer Zeit über ein Coming-out nachgedacht. Die einzige Tatsache, die mich bis dahin immer davon abgehalten hatte, waren die manchmal sehr spitzen Kommentare meiner Mutter zum Thema Bisexualität. Von denen hatte ich schon einige gehört, wenn ich das Thema angeschnitten hatte. Ich fürchtete mich vor ihrer Reaktion, aber im Nachhinein bin ich dankbar für dieses Gespräch. Wir unterhielten uns über die Ereignisse des Tages und kamen dabei auch auf die bevorstehende Hochzeit eines bekannten Pärchens. Zwei Frauen, eine von ihnen war einmal mit einem Mann verheiratet gewesen und bekanntermaßen bi. Natürlich kam wieder ein klassischer Klischeegedanke zum Gespräch. In diesem Moment überkam es mich irgendwie. Ich erklärte ihr, dass nichts Verwerfliches oder Fragwürdiges dabei ist, bi zu sein. Wir verfielen in eine kleine Diskussion, an deren Ende sie erklärte, dass sie es sich einfach nicht vorstellen konnte, Liebe nicht von einem Geschlecht abhängig zu sehen. Ich erzählte ihr, dass ich es hingegen sehr wohl konnte. Sie war überrascht und schwieg eine Weile. Sie fragte mich später, ob ich das Thema deshalb so oft erwähnt hatte, was ich unsicher bestätigte. Danach war das Gespräch für sie beendet. Doch wenig später kam sie wieder auf mich zu und meinte, dass es okay wäre. Sie würde es akzeptieren und mich unterstützen, denn mein Wohlergehen war ihr wichtiger als alles andere. AL

Beste Freund*innen

Bei diesem Coming-out blieb es nicht. Zwar hatte ich meinen Freund*innen schon viel früher von meiner sexuellen Orientierung erzählt, aber mir war mit der Zeit noch etwas anderes bewusst geworden, nämlich dass ich mein Geschlecht anders definierte – genderfluid trifft es am besten. So kam es zu folgender Situation: Nach meinem Schulabschluss traf ich mich häufig mit meinen Freund*innen zum Bummeln oder Essen gehen. Für mich und meine Freund*innen war McDonald‘s zum Stammlokal geworden, einfach weil man dort zur schlecht besuchten Tageszeit immer ein ruhiges Eckchen zum Reden fand. Während wir dort also saßen und uns unterhielten, fasste ich mir ein Herz und lenkte das Gespräch auf das Thema, das mich seit Monaten beschäftigte: Geschlechtsidentität. Ich erzählte ihnen von Ruby Rose, ein Vorbild für mich. Natürlich verstanden sie letztendlich, dass es um etwas persönlicheres ging. Sie fragten, was los sei. Ich gestand ihnen, warum ich dieses Thema angesprochen hatte. Man muss zur Reaktion sagen, dass wir alle uns seit Ewigkeiten kennen und unser kleiner Freund*innenkreis relativ bunt gemischt ist, was Sexualität und Geschlecht anbelangt. Ich fand mich also am Ende in einer großen Umarmung wieder. AL

Kalte Lasagne

Diese kleine Coming-out-Geschichte hat mir eine Freundin erlaubt, zu erzählen. Sie hatte es schon eine ganze Weile geplant, ihren Eltern zu erzählen, dass sie lesbisch ist. Sie nutzte die Chance des gemeinsamen Mittagessens. Noch bevor es ans Essen ging, standen ihr die Tränen in den Augen, weil sie so verunsichert war. Ihre Eltern waren darüber sehr verwundert und fragten, was los sei. Sie holte tief Luft und begann zu erzählen, wie sie erst vor kurzem zum ersten Mal ein Mädchen geküsst hatte und wie lange ihr das schon auf der Seele brannte, dass sie sich in dieser Hinsicht immer vor ihnen versteckte. Ihre Eltern reagierten wie im Bilderbuch positiv und verständnisvoll. Das Gespräch war lang, die Umarmung ebenso, da ist es nicht verwunderlich, dass die Lasagne kalt war. Aber das störte niemanden. AL

Kellergeflüster

Wir saßen mit ein paar Freund*innen und Verwandten am Tisch und wollten einen gemütlichen Abend verbringen. Wir unterhielten uns gut und hatten wie immer viel Spaß. Etwas Alkohol lockerte die Stimmung, wie auch die Zunge von allen. Und obwohl ich gar nicht so viel getrunken hatte, wurde ich überraschend mutig. Als mich meine Tante fragte, ob ich Platten mit belegten Broten als Snack aus dem Keller holen und ihr helfen könnte, willigte ich gern ein. Meine Tante war eine meiner engsten Vertrauten, ich würde sagen, dass ich ihr wohl mehr vertraute als meinen Eltern. Wir gingen gemeinsam in den Keller, sprachen dabei über alles Mögliche. Irgendwie kam mir der Gedanke, dass jetzt oder nie der Moment war, ihr zu erzählen, dass ich schwul war. Wir waren ungestört und niemand würde es hören, dazu fühlte ich mich endlich bereit. Ich hatte mich selbst akzeptieren und lieben lernen müssen, bevor ich ehrlich zu mir und allen anderen sein konnte. Und das war ich nun. Ich tippte ihr auf die Schulter, bevor sie die Treppe wieder nach oben lief. „Ich muss dir was erzählen“, meinte ich ernst. Dann sprudelte es aus mir heraus. Als ich geendet hatte, zog sie die Augenbraue hoch, stellte die Brotplatte zur Seite und begann dann zu lächeln. „Danke, dass du dich mir anvertraut hast. Ich hab dich lieb.“ Sie umarmte mich. Wir verbrachten eine Viertelstunde im Keller, aber es war uns egal, was der Rest im Obergeschoss dachte. Wir hatten uns selten so gut unterhalten. Besser hätte mein Coming-out nicht laufen können.

Ach übrigens, so heiße ich ab jetzt

In meiner Familie, wie wohl auch in vielen anderen, ist das Abendessen der erste, täglich wiederkehrende Moment, in dem alle zusammenkommen. Demnach wird sich dann auch unterhalten, über den vergangenen Tag, anstehende Dinge, aber auch die größten Neuigkeiten. Es wäre also auch für mich naheliegend gewesen, mein Coming-out am Esstisch zu haben. So war es aber tatsächlich nicht, denn geoutet hatte ich mich bereits, und das nicht am Esstisch. Trotzdem habe ich eine kleine Esstisch-Anekdote, die auf gewisse Weise dennoch in diese Kategorie passt. An einem Samstagabend saßen wir gemeinsam zusammen beim typisch schwäbischen „Vesper“, „Brotzeit“, oder wie auch immer man es nennen möchte. Meine Familie wusste, dass ich an jenem Tag zum ersten Mal den Gruppentermin für trans* Jugendliche meiner Psychologin besucht hatte, und so war es nicht überraschend, als ich gefragt wurde, wie es denn so war. Es war super, erzählte ich, denn das war es auch. Alle anderen waren nett, ich habe mich wohl und verstanden gefühlt und es war alles in allem eine wirklich gute Erfahrung. So weit erzählte ich, ohne groß auf Details einzugehen, die meine Familie vielleicht auch nicht alle wissen musste. Doch das eine, ganz bestimmte Detail, das sich ergeben hatte, war dann doch etwas relevanter für die Familienrunde. Ich hatte mich am Vormittag in der Gruppe nämlich relativ spontan für meinen neuen Namen entschieden. Meine Familie hatte von meiner groben Vorauswahl, die schon ein paar Tage feststand, bereits gehört, aber genauer darüber gesprochen hatten wir nie. Der eine Name in der engeren Auswahl war von mir selbst gewählt, und der andere wäre mir von meinen Eltern gegeben worden, hätten sie zu meiner Geburt bereits einen „Jungennamen“ wählen sollen. Beide hatten mir gut gefallen und so hatte ich mich eigentlich noch nicht festgelegt. Doch bei der Vorstellung in der Gruppe wollte ich nicht meinen alten Namen nennen und so hatte ich mich dann spontan, vielleicht auch intuitiv, für den von mir gewählten Namen entschieden. Meiner Familie musste ich diesen Entschluss nun auch noch erzählen. Ich sagte in etwa: „Übrigens, ich habe mich für meinen neuen Namen entschieden – Aaron.“ Ein kurzer Moment verstrich, ehe die Reaktion positiv ausfiel. Wie ich denn auf den Namen gekommen sei, und wie ich mich jetzt letztendlich dafür entschieden hätte, wollten sie noch wissen, dann war die Sache hingenommen und akzeptiert. Alles in allem also eine recht unspektakuläre Geschichte und trotzdem ein ganz entscheidender Moment, fast schon wie ein zweites Coming-out. Denn zumindest für mich hat es sich angefühlt, als hätte ab diesem Moment, mit dem neuen Namen, meine Transition nicht mehr nur in meinem Kopf stattgefunden. Und auf gewisse Weise hat sie ab da auch offiziell angefangen – für mein Umfeld zumindest. Aaron

Dieser Artikel ist zuerst in der Winter-Ausgabe der out! erschienen. Vielen Dank an die Autor*innen: AL, Aaron und weitere!

Letzte Vorstandssitzung des Jahres

Dieses Wochenende haben wir uns zur letzten Vorstandssitzung des Jahres getroffen. Wir blicken auf ein spannendes Jahr 2019 zurück. Wir haben mit euch in Brüssel das politische Europa kennengelernt, im Sommer in der Auvergne junge Queers aus ganz Europa getroffen und sind dann im Herbst in Toronto gewesen. Außerdem hatten wir tolle Seminare mit euch zu den Themen Journalismus und Queere Kolumne und sogar eine Juleica-Schulung in der Akademie Waldschlößchen. Außerdem haben wir einen Prozess angestoßen, mit dem wir Lambda als Gesamtverband weiterentwickeln wollen.

Im nächsten Jahr freuen wir uns wieder auf spannende Reisen und Seminare. Im Herbst könnt ihr euch auf ein ganz neues Angebot freuen. Außerdem wird dann unser Verbandsupdate abgeschlossen sein – wir freuen uns sehr, wenn ihr uns auf diesem Weg begleitet. Und nicht zuletzt werden wir 30 Jahre alt, und das werden wir ausgiebig feiern! Infos dazu gibt es bald hier.

Wir danken allen Ehrenamtlichen und Mitgliedern, dass ihr den Verein zu dem macht, was er heute ist, sowie Unterstützer*innen und Spender*innen, die unsere Angebote finanziell erst ermöglichen. Wir freuen uns auf ein weiteres buntes, queeres, feenstaub-behaftetes Glitzerjahr 2020!

Kommentar: Warum trans*-Charaktere in Filmen ausschließlich von Trans*-Darstellenden gespielt werden sollten

Es ist wohl bekannt, dass Trans*-Personen in den Medien noch immer unterrepräsentiert sind. Dennoch scheint es, als würde speziell die Film- und Fernsehindustrie immer mehr Trans*-Charaktere in ihre Geschichten einbauen. Laut der Organisation GLAAD finden sich 2018 insgesamt 26 wiederkehrende Trans*-Charaktere in Serien, das sind neun mehr als im Vorjahr. Das ist prinzipiell erfreulich, dennoch gibt es auch immer wieder Kritik. Häufig bezieht sie sich auf die Auswahl der Darstellenden. Denn in bekannten Filmbeispielen wie „The Danish Girl“, „Alle Farben des Lebens“ oder „Dallas Buyers Club“ spielen cis-Darstellende die vorkommenden Trans*-Charaktere. Dabei kommt immer wieder die Frage auf, ob Trans*-Charaktere nicht ausschließlich von trans*-Darstellenden gespielt werden sollten.

Aktuell wurde die Debatte erneut entfacht, als die Schauspielerin Scarlett Johansson für den Trans*-Charakter Dante „Tex“ Gill in dem Film „Rub & Tug“ ausgewählt wurde – und nach Protesten auf den sozialen Medien die Rolle schließlich wieder abgab.

In einem Statement gegenüber dem US-Magazin „Out“ erklärte sie schließlich, sie verstünde, warum der Charakter von einer Trans*-Person dargestellt werden sollte. Für Furore sorgte jedoch insbesondere dieses Zitat von Scarlett Johansson: „Als Schauspielerin sollte ich jede Person, jeden Baum oder jedes Tier spielen dürfen, denn das ist mein Job und die Anforderung meines Jobs.“

Ja, ich muss ihr Recht geben, wenn sie sagt, sie sollte als Schauspielerin jede Rolle spielen können und dürfen. Eine authentische Darstellung des gespielten Charakters sollte durch schauspielerisches Können, unabhängig von cis oder Trans* Hintergrund, gesichert sein. Cis-Darstellenden pauschal vorzuwerfen, sie könnten sich nicht genug in die Geschichten von Trans*-Rollen einfühlen, um diese glaubhaft darzustellen, wäre falsch. Dann wären sie schlechte Schauspieler*innen, ganz unabhängig von ihrer eigenen Geschlechtsidentität.

Doch die Wahl der Darstellenden für Trans*-Charaktere geht weit über schauspielerische Fähigkeiten und authentische Darstellung hinaus. Es geht um Kontrolle der Erzählweisen, Empowerment der Trans*-Community, um Macht über die eigenen Geschichten und um Botschaften an die Zuschauenden, cis wie trans*. Diese Einsicht hatte auch der Schauspieler Jeffrey Tambour, der ab 2014 die Rolle der trans*-Frau Maura Pfefferman in der TV-Serie „Transparent“ Spielte. Er sagte, als er einen Emmy für diese Rolle entgegennahm: „Give them their story“. Er erkannte also, dass Trans*-Menschen diese Geschichten gehören. Sie kämpfen täglich um Anerkennung in einer Welt, in der ein cis-Hintergrund viel zu oft als die einzig existierende Realität gesehen wird.

Wenn Geschichten über Trans*-Menschen Aufmerksamkeit bekommen sollen, sollten sie die Erzählweise in ihrer Hand haben. Einerseits, um eine respektvolle Darstellung – möglichst frei von Klischees und Vorurteilen – sicherstellen zu können, aber auch um eine Plattform zu haben, um ihre Geschichten selbst zu erzählen. Denn cis-Menschen sollten nicht aus der Machtposition heraus von der Trans*-Community erzählen. Eine Minderheit unterstützt man, indem man ihre Stimmen verstärkt, nicht indem man an ihrer Stelle spricht. Außerdem werden wichtige Botschaften an die Zuschauenden gesendet, wenn Trans*-Darstellende in Filmen vorkommen. Werden nämlich cis-Darstellende für die Rollen gewählt, kann es bei Zuschauenden, die keine Berührungspunkte zur Trans*- Community haben, auch leicht zu Fehlinterpretationen kommen. Spielt zum Beispiel ein cis-Mann eine Trans*-Frau, wie es im Film „Anything“ von 2018 der Fall ist, in dem Matt Bomer die Rolle Freda Von Rhenburg darstellt, steckt hinter dem weiblichen Charakter dann eben ein Mann, der sich verkleidet. Genau dies spiegelt leider viele der Vorurteile gegenüber Trans*-Personen wider und vermittelt ein falsches Bild. Doch sie Verkleiden sich nun mal nicht.

Wir brauchen Filme, die die Geschichten der Trans*-Community erzählen, und cis-Menschen, die dies unterstützen. Doch um die Lebensrealität der Community auch wirklich zu respektieren, sollen doch bitte Trans*-Darstellende Trans*-Charaktere porträtieren dürfen. Nur so ist es möglich, dass diese Geschichten ihr volles Potential auch wirklich erreichen.

Dieser Kommentar ist zuerst in der Herbst-Ausgabe der out! erschienen. Vielen Dank an den Autoren: Aaron Auchter!

Coming-out-Story: Was zur Hölle? Ich bin eine Frau!

Ich hätte nie gedacht, dass das Lesen eines Satzes mein Leben verändern würde. Ich war 16 und hatte keine Ahnung, wer und was ich eigentlich bin. „Ein richtiger Junge“, so wie mein Papa sich das immer gewünscht hatte, war ich jedenfalls nicht und nie gewesen. Das hatte ich sechzehn Jahre lang versucht und es wollte mir einfach nicht gelingen. In den letzten zwei Jahren hatte ich dieses „Schwul-Sein“ ausprobiert, weil meine Mitschüler*innen mir zu verstehen gaben, dass ich nicht wie die anderen Jungs sei. Klarer Fall: Schwul. Nur war der Fall alles andere als klar, denn ich fand Männer zwar interessant und sexy, aber mir wurde zunehmend bewusst, dass es nicht die Körper anderer Menschen waren, sondern mein eigener, mit dem ich etwas anstellen musste.

Mein androgyner Look und die blondierten Haare, die es mir erlaubten, aus dem einengenden Gefängnis stereotyper Männlichkeit auszubrechen, konnten mich nicht mehr darüber hinweg trösten, dass sich mein Körper mit jedem fortschreitenden Tag der Pubertät, jedem neuem Barthaar und jeder Note, um die meine Stimme tiefer wurde, fremder anfühlte.

Also saß ich wie alle normalen Millenials, die nicht wissen, was eigentlich mit ihnen los ist, vor meinem Computer und konsultierte Doktor Google. Meine eigene Verdachtsdiagnose, von der ich eigentlich nur eine vorurteilsbelastete Idee hatte, was sie eigentlich bedeutete, verursachte mir beim Eintippen in die Suchzeile Gänsehaut. Die Stimme meiner damals besten Freundin, die gerne über „Transen“ als bemitleidende Figuren witzelte, meine katholische Religionslehrerin, die Nachfragen nach homosexuellen Paaren im Unterricht mit „ihr kennt die Einstellung der Kirche dazu“ beantwortete und der Papst, der Schwule und Transsexuelle in der Hölle schmoren sah, jagten mir durch den Kopf. Doch da war es schon Schwarz auf Weiß auf dem Bildschirm: Transsexuell. 2.910.000 Suchergebnisse. Und dann las ich diesen Satz, der alles verändern sollte: „Du musst nichts gleich entscheiden, aber öffne dich für die Möglichkeit, dass du transsexuell bist, und beobachte, was es in dir auslöst.“ Es war der letzte Satz, den der Junge las, der ich sechzehn Jahre lang vorgab zu sein, und der erste, den die Frau las, die ich immer sein sollte.

Angst vor dem Erzbischof

„Wenn das Erzbistum davon erfährt, könnten wir Probleme bekommen“, sagte mein damaliger Schulleiter. Abgesehen von dieser Angst, der Kölner Erzbischof oder ein Vertreter könnten unangemeldet vorbeikommen und mich der Schule verweisen oder mich mit ihrem Blick direkt in die Hölle schicken, ging meine katholische Schule tatsächlich besser mit meinem Coming-out um als angenommen. Manchmal ging meinen Lehrer*innen noch mein Deadname über die Lippen und die Kinder aus der Mittelstufe tuschelten „es kommt“, wenn ich über den Flur ging, doch befürchtetes Hardcore-Mobbing blieb glücklicherweise aus. Hart traf mich allerdings die Reaktion meiner damals besten Freundin, die mir sagte: „Du wirst niemals eine Frau sein.“

Der Weg zur rechtlichen Anerkennung und medizinischer Behandlung, wie etwa die Hormontherapie, war gelinde gesagt ein Höllenritt. Ein Papierkrieg mit dem Gericht, Ärzt*innen, meiner Krankenkasse und Behörden sowie Gespräche, in denen ich mich immer wieder erklären musste: „Ja, ich bin eine Frau. Ja, ich will diese Behandlung wirklich.“ Manchmal war ich so verzweifelt, dass ich dachte, ich stehe das nicht durch. Doch meine frühere beste Freundin sollte nicht Recht behalten. Im Sommer nach meinem Abi war nach anderthalb Jahren meine Namensänderung durch und ich war auch auf dem Papier endlich eine Frau.

Fürs Studium zog ich in eine fremde Stadt, in der mich niemand kannte. Ich sprach mit niemandem darüber, dass ich früher einen anderen Namen hatte und nicht als Mädchen aufgewachsen war. Ich wollte mich nicht ständig erklären müssen und einfach mein Leben als junge Frau genießen. Es war ein Neuanfang ohne den ganzen Ballast, so glaubte ich damals zumindest. Aber die erhoffte Idylle blieb aus, denn die Mauer, die ich um mich herum aufbaute und dafür sorgte, dass niemand allzu viel über mich erfuhr, machte mich sehr einsam. Erst über mein politisches Engagement traf ich so viele tolle Freiheitskämpfer*innen, Feminist*innen und queere Menschen, die mir zeigten, dass wir alle eine Berechtigung in dieser Welt haben und es uns nicht nehmen lassen dürfen, die zu sein, die wir sind. Endlich lernte ich mich nicht mehr zu schämen und zu verstecken.

Heute weiß ich, dass meine Transidentität ein Teil von mir ist und immer sein wird. Und dafür engagiere ich mich und gehe auf die Straße. Weil alle ein Leben in Würde und ohne Diskriminierung verdienen. Deswegen sage ich heute selbstbewusst: Ich bin eine Frau, ich bin trans und das ist auch gut so.

Diese Coming-out-Story ist zuerst in der Herbst-Ausgabe der out! erschienen. Vielen Dank an die Autorin: Nyke!

Zukunftswerkstatt beim Herbst-Verbandsrat

Am Wochenende haben sich die Landesverbände und Einzelmitglieder von Lambda Bund getroffen, um gemeinsam über die Zukunft nachzudenken (die hoffentlich für alle spaßig und produktiv wird). Die Gruppe „Stuhlkreisrevolte“ hat uns als Moderation begleitet. Es wurde über Dinge gesprochen wie: Welche Dinge laufen bei Lambda Bund nicht so gut? Wie können Lambda Bund und die Landesverbände besser zusammen arbeiten? Welche Verbesserungsvorschläge gibt es?

Im nächsten Schritt geht es jetzt um die Umsetzung: Wie können wir unsere Wünsche und Träume für Lambda verwirklichen?

Neugierig geworden? Der nächste Teil findet um März 2020 statt und du kannst gerne dabei sein. Schau hier einfach regelmäßig vorbei oder folge uns bei Facebook oder Instagram, dann verpasst du keine Updates!

Wenn ihr Fragen zur Zukunftswerkstatt und zur Verbandsentwicklung habt, könnt ihr euch gerne an uns wenden.

Martin bei GOQUEER: „Medien und junge Queers gehören für mich zusammen.“

Im September 2019 durfte ich erstmals als Moderator vor der Kamera des Medienprojekt GOQUEER der Jugendorganisation Queer&Young des LSVD Sachsen-Anhalt e.V. stehen. Ein ganz aufregender Tag, auch wenn ich mir bewusst war, dass es keine Livesituation war und dass dieses Projekt von queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestaltet wird. Aber ihr könnt Euch wahrscheinlich vorstellen, wenn man verkabelt wird und die Scheinwerfer und Kameras nochmal justiert werden, dann kommt schon ein wenig das Lampenfieber.

Aber bevor es soweit war, musste erstmal die komplette Kulisse aufgebaut und die Technik aufgestellt und angeschlossen werden. Für mich hieß es in der Zeit, Themen für die Sendung zu suchen, die für queere junge Menschen relevant sind und diese dann so aufzuarbeiten, dass alle wichtigen Inhalt vorkommen und es einfach verständlich ist. Gar keine so einfache Sache.

Nachdem die ganzen Vorbereitungen vom Team und mir abgeschlossen wurden, ging es dann an die Aufzeichnung. Wie gesagt: Für mich das erste Mal als Moderator. Dann hieß es: Ruhe Bitte! Und schon ging es los, ich versuchte meine Texte zu den Themen fehlerfrei vorzutragen, was nicht immer gleich beim ersten Mal gelang. Es ist aber eine wunderschöne Sendung entstanden. Das Ergebnis der könnt ihr Euch jederzeit bei YouTube anschauen, ausgestrahlt wurde die Sendung am 25.09.2019 im offenen Kanal Magdeburg.

Geschafft! Warum habe ich trotz der ganzen Aufregung mitgemacht? Weil es für mich wichtig ist, dass queer-relevante Themen einen Platz in der Medienlandschaft finden. Leider sind diese in der Welt der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsender mit ihrem Mainstreamprogramm sehr selten vertreten. Zudem ist es ein gutes Instrument, um Abläufe von Sendungen in der Medienwelt zu verstehen, die eigene Komfortzone zu verlassen und neue Kompetenzen im Bereich der Medien zu erlangen.

So lang queere Themen keine oder zu geringe Relevanz in den Medien haben, nehmen wir dies halt selbst in die Hand.

Für mich war es eine wunderbare Erfahrung dabei gewesen zu sein und wer weiß, vielleicht sieht man mich ja nochmal in der Sendung.

Check doch gern mal die Sendung auf dem YouTube-Kanal von queerblick aus.

Foto: GOQUEER

Am 20. September für das Klima streiken!

Der Lambda Bundesverband unterstützt den internationalen Klimastreik am 20. September. Denn wie uns das Motto der Bewegung Queers For Future sagt: Auf einem toten Planeten kann es keinen Pride geben. Vor allem junge Queers werden massiv von den Veränderungen des Klimas betroffen sein. Deshalb fordern wir euch auf, an diesem Freitag eure Arbeit niederzulegen bzw. nicht zur Schule oder Uni zu erscheinen, sondern zur Demonstration bei euch in der Nähe zu gehen. Das Klimastreik-Aktionsbündnis stellt dafür eine Karte der Demos zur Verfügung. Hier der Aufruf des Bündnisses:

#Klimastreik am 20. September bei Dir vor Ort!

Weltweit streiken Kinder und Jugendliche seit Monaten unter dem Motto #FridaysForFuture für echten Klimaschutz und eine Zukunft ohne Klimakrise. Sie rufen uns zu:

Viele Erwachsene haben noch nicht verstanden, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit. (…) Deshalb rufen wir alle Menschen zu einem weltweiten Klimastreik auf.“

– Greta Thunberg und Aktivist*innen von #FridaysForFuture

Die Proteste von #FridaysForFuture sind berechtigt: Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen – bereits heute vernichtet die Klimakrise Leben und Lebensgrundlagen von Millionen Menschen weltweit. Sie verschärft bereits bestehende Ungleichheiten und verletzt grundlegende Menschenrechte. Wenn es nicht gelingt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, droht eine Klimakatastrophe, die nicht mehr aufzuhalten ist. Doch die Bundesregierung versagt: Statt ambitionierter Klimapolitik liefert sie nur unzureichende Antworten.

Doch es gibt Hoffnung: Die Schüler*innen haben mit ihren Protesten die Politik unter Zugzwang gesetzt. Am 20. September entscheidet die Bundesregierung über ihre nächsten Schritte in der Klimapolitik. Jetzt gilt es für uns alle, uns dem Protest von #FridaysForFuture anzuschließen. Wenn wir jetzt zusammenstehen, können wir die Regierung zum Handeln treiben. Zeitgleich werden überall auf der Welt Hunderttausende Menschen auf die Straßen gehen. Sie zeigen den Staats- und Regierungschefs, die wenige Tage später beim UN-Klimagipfel zusammenkommen: Wir lassen nicht zu, dass ihr unser aller Zukunft verheizt!

Deswegen folgen wir dem Aufruf der jungen Generation: Am 20. September schließen wir uns den Demonstrationen von #FridaysForFuture an. Der Protest und die Forderungen der Schüler*innen sind notwendig, um die Klimakrise zu stoppen. Deshalb gehen wir gemeinsam mit #FridaysForFuture auf die Straße.

Mach mit: Komm am 20. September zur Demonstration bei Dir vor Ort! Gemeinsam fordern wir: Klimaschutz jetzt!

Menschen bei Lambda: Aisha

Aisha ist seit Mai 2019 bei Lambda Bund angestellt und arbeitet im Beratungsprojekt in&out . Im Interview mit der out! erzählt Aisha etwas über sich:

Aisha, willkommen bei Lambda! Erzähl uns doch, wer Du bist.

Ich bin Aisha und Menschen nutzen „sie“ als Pronomen für mich. Ich bin im Herbst 2016 nach Berlin gezogen und habe vorher lange Zeit in Köln gewohnt. Dort habe ich auch mein Studium für Soziale Arbeit abgeschlossen. Momentan schreibe ich meine Masterarbeit im Studiengang Angewandte Sexualwissenschaft. Wenn ich also nicht gerade arbeite oder Masterarbeit schreibe verbringe ich sehr gerne Zeit mit den tollen Menschen in meinem Leben, male, schreibe oder fahre raus in die Natur. Egal ob wandern, Kajak fahren oder am See liegen. Dort kann ich abschalten und dem Alltag entkommen.

Was machst du bei In&Out?

Das Herzstück von In&Out ist die ehrenamtliche Arbeit von unserem Berater*innenteam. Dort begleite ich gemeinsam mit meinem Kollegen Finn die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit. Zudem sind wir für die Ausbildung der jungen Menschen zuständig. Ansonsten berate ich natürlich auch selbst via Mail, Chat oder persönlich.

Was sind deine Schwerpunkte?

Ich bin Ansprechperson für die Chatberatung und kümmere mich da um die Einarbeitung und Begleitung unseres Teams. Außerdem bin ich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ihr könnt gerne unserem neuen Instagram-Account folgen. @inundout_beratung

Wie bist du zu Lambda gekommen?

Seit ich in Berlin wohne, habe ich immer wieder von Freund*innen von Lambda gehört. Ich komme aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit und als Schulsozialarbeiterin habe ich dann mehr und mehr Beratung für mich entdeckt. Und als Lambda gesucht hat, musste ich mich einfach bewerben. Jetzt habe ich eine super Mischung aus Beratung und der Arbeit mit jungen Erwachsenen. Das macht mir großen Spaß.

Was erwartest du von deiner Arbeit?

Als abelisierte (das heißt, dass ich nicht behindert werde), queere cis-Frau of Color ist mir eine machtkritische Arbeit sehr wichtig. Die eigene Positionierung zu hinterfragen und möglichst reflektiert zu handeln. Deshalb erwarte ich eine tolle Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Finn und dem Team von In&Out. Dass wir voneinander lernen und uns gemeinsam entwickeln und dazu beitragen, Jugendliche und junge Erwachsene in ganz Deutschland zu beraten und zu empowern.

Coming-out-Story: Wie aus dem Frage- ein Ausrufezeichen wurde

Ich hatte kein Coming-out. Ich oute mich immer wieder aufs Neue. Jedes Mal, wenn ich Menschen treffe, muss ich mich fragen, ob ich mich outen möchte. Denn man sieht mir meine Sexualität natürlich nicht an. Ich bin eine cis Frau in einer Beziehung mit einem cis Mann. Das heißt, auch wenn ich Menschen treffe oder mich mit ihnen anfreunde, fällt ihnen nicht unbedingt sofort auf, dass ich queer bin. Nach außen hin wirke ich wie ein weiterer Teil der Hetero-Mehrheitsgesellschaft.

Als ich aufwuchs, kannte ich den Begriff Asexualität nicht, generell waren mir wenige Begriffe außerhalb des Heteronormativen bekannt. Mir kam es gar nicht in den Sinn, mich damit zu beschäftigen, ob ich hetero sei oder nicht, denn alle Menschen, die ich kannte, waren hetero. In meinem Familien- und Bekanntenkreis gab es keine queeren Menschen und in der Schule wurde über verschiedene Geschlechts- und sexuelle Identitäten überhaupt nicht gesprochen. Erst nach der Schule bin ich durch linken politischen Aktivismus in Gruppen gekommen, in denen nicht alle Menschen hetero waren. Plötzlich kannte ich schwule, lesbische, bi- und pansexuelle Menschen und Menschen, deren Geschlecht nicht mit dem übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Und plötzlich war da vor allem durch das Internet dieser Begriff: Asexuell. Ich weiß noch genau, wie ich mich gefühlt habe, als ich zum ersten Mal dessen Definition gelesen habe. Davor war ich selbst sehr abwertend. „Ach was soll das denn sein, diese ganze Sache mit der sexuellen Anziehung ist doch sowieso nur ein totaler Hype, der durch Filme und Bücher viel größer gemacht wird, als er wirklich ist.“ Doch je länger ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr wurde mir klar: Nein, sexuelle Anziehung ist gar keine Erfindung von Hollywood, Menschen fühlen das wirklich, und je länger ich darüber nachdachte desto klarer wurde mir, dass dieser Begriff mich ziemlich gut beschreibt. Zunächst war dieses neue Wissen ein sehr befreiendes Gefühl, aber nichts, was ich mit der Welt teilen wollte. Ich habe stattdessen öfter dieses Wort „asexuell“ in meinem Kopf herumgedreht, mit mir herumgetragen wie eine Murmel in der Hosentasche. Man muss sie nicht rausholen und allen zeigen, man kann sie auch einfach nur ab und zu mit den Fingerspitzen berühren und ein Gefühl für diese neue Identität bekommen. Manchmal habe ich mich vor den Spiegel gestellt und laut „Ich bin asexuell“ gesagt. Lange war das mehr eine Frage, doch irgendwann wurde aus dem Fragezeichen ein Punkt und aus dem Punkt wurde ein Ausrufezeichen. Und als ich mich schließlich damit sicher fühlte begannen meine Coming-outs.

Ich habe nie vorher den festen Plan gefasst, mich jemandem gegenüber zu outen. Meistens entstanden diese Situationen sehr spontan, manchmal sogar zu spontan, wenn ich ehrlich bin. Denn vermutlich gibt es eine bessere Möglichkeit, seinem langjährigen Partner von seiner sexuellen Identität zu erzählen als nebenbei auf einer Party bei ein paar Bier. Er war damals ziemlich überrumpelt, hat das ganze aber ganz großartig aufgenommen, indem er einfach, „Öhh, okay?“ sagte und wir uns wieder der Party zugewendet haben. Einige Wochen später sprachen wir noch einmal länger darüber. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon von sich aus recherchiert und zu meinem Überraschen war seine Reaktion sehr enthusiastisch, denn plötzlich ist ihm klar geworden, dass alles, was an unserer Beziehung gegebenenfalls anders und auch manchmal schwierig war, nichts damit zu tun hatte, dass ich ihn nicht mochte, oder zumindest nicht so sehr wie er mich, sondern dass unsere Beziehung anders ist, weil es eine Beziehung ist, in der es eine asexuelle Person gibt. Heute ist meine Identität nichts, was ich im ersten Gespräch erwähne, aber auch nichts, was ich verheimliche. Ich bin weiterhin in meiner Partnerschaft und Menschen hinterfragen meine Sexualität einfach nicht, weil die meisten gedanklich in sehr heteronormativen Konstrukten festhängen.

Doch irgendwann kommt oft der Punkt, an dem ich sage: Ich bin asexuell. Und obwohl ich diese Situation jetzt schon dutzende, vielleicht sogar hunderte Male hinter mich gebracht habe und viele Reaktionen wirklich sehr, sehr positiv waren, frage ich mich immer wieder, ob ich das überhaupt will, denn am Ende bleiben oft nur die Erinnerungen an unangenehme oder sogar gefährliche Coming-outs hängen. Unangenehme Situationen beinhalten cis Männer, die mir sehr aggressiv sagen, dass ich einfach nur „durchgefickt werden müsse“, cis männliche platonische Freunde, die mir bei meinem Coming-out erklären, dass sie niemals mit mir zusammenkommen wollen würden oder auch Fremde, die mir furchtbar intime Fragen zu meinem Sexleben stellen. Außerdem sind da immer wieder vor allen Dingen in linken queeren Spaces die Leute, die massives Gatekeeping betreiben. Das sind die Leute, die noch immer sagen, dass Asexuelle nicht zur queeren Community gehören und mich nur an ihren Spaces und Diskussionen teilhaben lassen, weil ich mich auch außerhalb meiner sexuellen Identität nicht als heteroromantisch bezeichne. Diese Spaces, in denen ich nicht willkommen bin, werden zum Glück immer weniger.

Das gibt mir sehr viel Hoffnung für die Zukunft und Hoffnung darauf, dass Coming-outs mir irgendwann keine Angst mehr machen, denn auch unabhängig von der Angst und der generellen Unwissenheit in der Bevölkerung finde ich ein Coming-out in Bezug auf Asexualität weiterhin oft schwierig, weil es eben wirklich darum geht, was ich in Bezug auf Sex und Intimität fühle. Das sind sehr private Themen, die ich nicht mit allen Menschen teilen möchte. Das ist auch der Grund, warum ich diesen Text anonym veröffentliche.

Diese Coming-out-Story ist zuerst in der Sommer-Ausgabe der out! erschienen. Vielen Dank an den_die Autor_in!