Coming-out-Story: Was zur Hölle? Ich bin eine Frau!

Ich hätte nie gedacht, dass das Lesen eines Satzes mein Leben verändern würde. Ich war 16 und hatte keine Ahnung, wer und was ich eigentlich bin. „Ein richtiger Junge“, so wie mein Papa sich das immer gewünscht hatte, war ich jedenfalls nicht und nie gewesen. Das hatte ich sechzehn Jahre lang versucht und es wollte mir einfach nicht gelingen. In den letzten zwei Jahren hatte ich dieses „Schwul-Sein“ ausprobiert, weil meine Mitschüler*innen mir zu verstehen gaben, dass ich nicht wie die anderen Jungs sei. Klarer Fall: Schwul. Nur war der Fall alles andere als klar, denn ich fand Männer zwar interessant und sexy, aber mir wurde zunehmend bewusst, dass es nicht die Körper anderer Menschen waren, sondern mein eigener, mit dem ich etwas anstellen musste.

Mein androgyner Look und die blondierten Haare, die es mir erlaubten, aus dem einengenden Gefängnis stereotyper Männlichkeit auszubrechen, konnten mich nicht mehr darüber hinweg trösten, dass sich mein Körper mit jedem fortschreitenden Tag der Pubertät, jedem neuem Barthaar und jeder Note, um die meine Stimme tiefer wurde, fremder anfühlte.

Also saß ich wie alle normalen Millenials, die nicht wissen, was eigentlich mit ihnen los ist, vor meinem Computer und konsultierte Doktor Google. Meine eigene Verdachtsdiagnose, von der ich eigentlich nur eine vorurteilsbelastete Idee hatte, was sie eigentlich bedeutete, verursachte mir beim Eintippen in die Suchzeile Gänsehaut. Die Stimme meiner damals besten Freundin, die gerne über „Transen“ als bemitleidende Figuren witzelte, meine katholische Religionslehrerin, die Nachfragen nach homosexuellen Paaren im Unterricht mit „ihr kennt die Einstellung der Kirche dazu“ beantwortete und der Papst, der Schwule und Transsexuelle in der Hölle schmoren sah, jagten mir durch den Kopf. Doch da war es schon Schwarz auf Weiß auf dem Bildschirm: Transsexuell. 2.910.000 Suchergebnisse. Und dann las ich diesen Satz, der alles verändern sollte: „Du musst nichts gleich entscheiden, aber öffne dich für die Möglichkeit, dass du transsexuell bist, und beobachte, was es in dir auslöst.“ Es war der letzte Satz, den der Junge las, der ich sechzehn Jahre lang vorgab zu sein, und der erste, den die Frau las, die ich immer sein sollte.

Angst vor dem Erzbischof

„Wenn das Erzbistum davon erfährt, könnten wir Probleme bekommen“, sagte mein damaliger Schulleiter. Abgesehen von dieser Angst, der Kölner Erzbischof oder ein Vertreter könnten unangemeldet vorbeikommen und mich der Schule verweisen oder mich mit ihrem Blick direkt in die Hölle schicken, ging meine katholische Schule tatsächlich besser mit meinem Coming-out um als angenommen. Manchmal ging meinen Lehrer*innen noch mein Deadname über die Lippen und die Kinder aus der Mittelstufe tuschelten „es kommt“, wenn ich über den Flur ging, doch befürchtetes Hardcore-Mobbing blieb glücklicherweise aus. Hart traf mich allerdings die Reaktion meiner damals besten Freundin, die mir sagte: „Du wirst niemals eine Frau sein.“

Der Weg zur rechtlichen Anerkennung und medizinischer Behandlung, wie etwa die Hormontherapie, war gelinde gesagt ein Höllenritt. Ein Papierkrieg mit dem Gericht, Ärzt*innen, meiner Krankenkasse und Behörden sowie Gespräche, in denen ich mich immer wieder erklären musste: „Ja, ich bin eine Frau. Ja, ich will diese Behandlung wirklich.“ Manchmal war ich so verzweifelt, dass ich dachte, ich stehe das nicht durch. Doch meine frühere beste Freundin sollte nicht Recht behalten. Im Sommer nach meinem Abi war nach anderthalb Jahren meine Namensänderung durch und ich war auch auf dem Papier endlich eine Frau.

Fürs Studium zog ich in eine fremde Stadt, in der mich niemand kannte. Ich sprach mit niemandem darüber, dass ich früher einen anderen Namen hatte und nicht als Mädchen aufgewachsen war. Ich wollte mich nicht ständig erklären müssen und einfach mein Leben als junge Frau genießen. Es war ein Neuanfang ohne den ganzen Ballast, so glaubte ich damals zumindest. Aber die erhoffte Idylle blieb aus, denn die Mauer, die ich um mich herum aufbaute und dafür sorgte, dass niemand allzu viel über mich erfuhr, machte mich sehr einsam. Erst über mein politisches Engagement traf ich so viele tolle Freiheitskämpfer*innen, Feminist*innen und queere Menschen, die mir zeigten, dass wir alle eine Berechtigung in dieser Welt haben und es uns nicht nehmen lassen dürfen, die zu sein, die wir sind. Endlich lernte ich mich nicht mehr zu schämen und zu verstecken.

Heute weiß ich, dass meine Transidentität ein Teil von mir ist und immer sein wird. Und dafür engagiere ich mich und gehe auf die Straße. Weil alle ein Leben in Würde und ohne Diskriminierung verdienen. Deswegen sage ich heute selbstbewusst: Ich bin eine Frau, ich bin trans und das ist auch gut so.

Diese Coming-out-Story ist zuerst in der Herbst-Ausgabe der out! erschienen. Vielen Dank an die Autorin: Nyke!

Zukunftswerkstatt beim Herbst-Verbandsrat

Am Wochenende haben sich die Landesverbände und Einzelmitglieder von Lambda Bund getroffen, um gemeinsam über die Zukunft nachzudenken (die hoffentlich für alle spaßig und produktiv wird). Die Gruppe „Stuhlkreisrevolte“ hat uns als Moderation begleitet. Es wurde über Dinge gesprochen wie: Welche Dinge laufen bei Lambda Bund nicht so gut? Wie können Lambda Bund und die Landesverbände besser zusammen arbeiten? Welche Verbesserungsvorschläge gibt es?

Im nächsten Schritt geht es jetzt um die Umsetzung: Wie können wir unsere Wünsche und Träume für Lambda verwirklichen?

Neugierig geworden? Der nächste Teil findet um März 2020 statt und du kannst gerne dabei sein. Schau hier einfach regelmäßig vorbei oder folge uns bei Facebook oder Instagram, dann verpasst du keine Updates!

Wenn ihr Fragen zur Zukunftswerkstatt und zur Verbandsentwicklung habt, könnt ihr euch gerne an uns wenden.

Martin bei GOQUEER: „Medien und junge Queers gehören für mich zusammen.“

Im September 2019 durfte ich erstmals als Moderator vor der Kamera des Medienprojekt GOQUEER der Jugendorganisation Queer&Young des LSVD Sachsen-Anhalt e.V. stehen. Ein ganz aufregender Tag, auch wenn ich mir bewusst war, dass es keine Livesituation war und dass dieses Projekt von queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestaltet wird. Aber ihr könnt Euch wahrscheinlich vorstellen, wenn man verkabelt wird und die Scheinwerfer und Kameras nochmal justiert werden, dann kommt schon ein wenig das Lampenfieber.

Aber bevor es soweit war, musste erstmal die komplette Kulisse aufgebaut und die Technik aufgestellt und angeschlossen werden. Für mich hieß es in der Zeit, Themen für die Sendung zu suchen, die für queere junge Menschen relevant sind und diese dann so aufzuarbeiten, dass alle wichtigen Inhalt vorkommen und es einfach verständlich ist. Gar keine so einfache Sache.

Nachdem die ganzen Vorbereitungen vom Team und mir abgeschlossen wurden, ging es dann an die Aufzeichnung. Wie gesagt: Für mich das erste Mal als Moderator. Dann hieß es: Ruhe Bitte! Und schon ging es los, ich versuchte meine Texte zu den Themen fehlerfrei vorzutragen, was nicht immer gleich beim ersten Mal gelang. Es ist aber eine wunderschöne Sendung entstanden. Das Ergebnis der könnt ihr Euch jederzeit bei YouTube anschauen, ausgestrahlt wurde die Sendung am 25.09.2019 im offenen Kanal Magdeburg.

Geschafft! Warum habe ich trotz der ganzen Aufregung mitgemacht? Weil es für mich wichtig ist, dass queer-relevante Themen einen Platz in der Medienlandschaft finden. Leider sind diese in der Welt der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsender mit ihrem Mainstreamprogramm sehr selten vertreten. Zudem ist es ein gutes Instrument, um Abläufe von Sendungen in der Medienwelt zu verstehen, die eigene Komfortzone zu verlassen und neue Kompetenzen im Bereich der Medien zu erlangen.

So lang queere Themen keine oder zu geringe Relevanz in den Medien haben, nehmen wir dies halt selbst in die Hand.

Für mich war es eine wunderbare Erfahrung dabei gewesen zu sein und wer weiß, vielleicht sieht man mich ja nochmal in der Sendung.

Check doch gern mal die Sendung auf dem YouTube-Kanal von queerblick aus.

Foto: GOQUEER

Am 20. September für das Klima streiken!

Der Lambda Bundesverband unterstützt den internationalen Klimastreik am 20. September. Denn wie uns das Motto der Bewegung Queers For Future sagt: Auf einem toten Planeten kann es keinen Pride geben. Vor allem junge Queers werden massiv von den Veränderungen des Klimas betroffen sein. Deshalb fordern wir euch auf, an diesem Freitag eure Arbeit niederzulegen bzw. nicht zur Schule oder Uni zu erscheinen, sondern zur Demonstration bei euch in der Nähe zu gehen. Das Klimastreik-Aktionsbündnis stellt dafür eine Karte der Demos zur Verfügung. Hier der Aufruf des Bündnisses:

#Klimastreik am 20. September bei Dir vor Ort!

Weltweit streiken Kinder und Jugendliche seit Monaten unter dem Motto #FridaysForFuture für echten Klimaschutz und eine Zukunft ohne Klimakrise. Sie rufen uns zu:

Viele Erwachsene haben noch nicht verstanden, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit. (…) Deshalb rufen wir alle Menschen zu einem weltweiten Klimastreik auf.“

– Greta Thunberg und Aktivist*innen von #FridaysForFuture

Die Proteste von #FridaysForFuture sind berechtigt: Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen – bereits heute vernichtet die Klimakrise Leben und Lebensgrundlagen von Millionen Menschen weltweit. Sie verschärft bereits bestehende Ungleichheiten und verletzt grundlegende Menschenrechte. Wenn es nicht gelingt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, droht eine Klimakatastrophe, die nicht mehr aufzuhalten ist. Doch die Bundesregierung versagt: Statt ambitionierter Klimapolitik liefert sie nur unzureichende Antworten.

Doch es gibt Hoffnung: Die Schüler*innen haben mit ihren Protesten die Politik unter Zugzwang gesetzt. Am 20. September entscheidet die Bundesregierung über ihre nächsten Schritte in der Klimapolitik. Jetzt gilt es für uns alle, uns dem Protest von #FridaysForFuture anzuschließen. Wenn wir jetzt zusammenstehen, können wir die Regierung zum Handeln treiben. Zeitgleich werden überall auf der Welt Hunderttausende Menschen auf die Straßen gehen. Sie zeigen den Staats- und Regierungschefs, die wenige Tage später beim UN-Klimagipfel zusammenkommen: Wir lassen nicht zu, dass ihr unser aller Zukunft verheizt!

Deswegen folgen wir dem Aufruf der jungen Generation: Am 20. September schließen wir uns den Demonstrationen von #FridaysForFuture an. Der Protest und die Forderungen der Schüler*innen sind notwendig, um die Klimakrise zu stoppen. Deshalb gehen wir gemeinsam mit #FridaysForFuture auf die Straße.

Mach mit: Komm am 20. September zur Demonstration bei Dir vor Ort! Gemeinsam fordern wir: Klimaschutz jetzt!

Menschen bei Lambda: Aisha

Aisha ist seit Mai 2019 bei Lambda Bund angestellt und arbeitet im Beratungsprojekt in&out . Im Interview mit der out! erzählt Aisha etwas über sich:

Aisha, willkommen bei Lambda! Erzähl uns doch, wer Du bist.

Ich bin Aisha und Menschen nutzen „sie“ als Pronomen für mich. Ich bin im Herbst 2016 nach Berlin gezogen und habe vorher lange Zeit in Köln gewohnt. Dort habe ich auch mein Studium für Soziale Arbeit abgeschlossen. Momentan schreibe ich meine Masterarbeit im Studiengang Angewandte Sexualwissenschaft. Wenn ich also nicht gerade arbeite oder Masterarbeit schreibe verbringe ich sehr gerne Zeit mit den tollen Menschen in meinem Leben, male, schreibe oder fahre raus in die Natur. Egal ob wandern, Kajak fahren oder am See liegen. Dort kann ich abschalten und dem Alltag entkommen.

Was machst du bei In&Out?

Das Herzstück von In&Out ist die ehrenamtliche Arbeit von unserem Berater*innenteam. Dort begleite ich gemeinsam mit meinem Kollegen Finn die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit. Zudem sind wir für die Ausbildung der jungen Menschen zuständig. Ansonsten berate ich natürlich auch selbst via Mail, Chat oder persönlich.

Was sind deine Schwerpunkte?

Ich bin Ansprechperson für die Chatberatung und kümmere mich da um die Einarbeitung und Begleitung unseres Teams. Außerdem bin ich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ihr könnt gerne unserem neuen Instagram-Account folgen. @inundout_beratung

Wie bist du zu Lambda gekommen?

Seit ich in Berlin wohne, habe ich immer wieder von Freund*innen von Lambda gehört. Ich komme aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit und als Schulsozialarbeiterin habe ich dann mehr und mehr Beratung für mich entdeckt. Und als Lambda gesucht hat, musste ich mich einfach bewerben. Jetzt habe ich eine super Mischung aus Beratung und der Arbeit mit jungen Erwachsenen. Das macht mir großen Spaß.

Was erwartest du von deiner Arbeit?

Als abelisierte (das heißt, dass ich nicht behindert werde), queere cis-Frau of Color ist mir eine machtkritische Arbeit sehr wichtig. Die eigene Positionierung zu hinterfragen und möglichst reflektiert zu handeln. Deshalb erwarte ich eine tolle Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Finn und dem Team von In&Out. Dass wir voneinander lernen und uns gemeinsam entwickeln und dazu beitragen, Jugendliche und junge Erwachsene in ganz Deutschland zu beraten und zu empowern.

Coming-out-Story: Wie aus dem Frage- ein Ausrufezeichen wurde

Ich hatte kein Coming-out. Ich oute mich immer wieder aufs Neue. Jedes Mal, wenn ich Menschen treffe, muss ich mich fragen, ob ich mich outen möchte. Denn man sieht mir meine Sexualität natürlich nicht an. Ich bin eine cis Frau in einer Beziehung mit einem cis Mann. Das heißt, auch wenn ich Menschen treffe oder mich mit ihnen anfreunde, fällt ihnen nicht unbedingt sofort auf, dass ich queer bin. Nach außen hin wirke ich wie ein weiterer Teil der Hetero-Mehrheitsgesellschaft.

Als ich aufwuchs, kannte ich den Begriff Asexualität nicht, generell waren mir wenige Begriffe außerhalb des Heteronormativen bekannt. Mir kam es gar nicht in den Sinn, mich damit zu beschäftigen, ob ich hetero sei oder nicht, denn alle Menschen, die ich kannte, waren hetero. In meinem Familien- und Bekanntenkreis gab es keine queeren Menschen und in der Schule wurde über verschiedene Geschlechts- und sexuelle Identitäten überhaupt nicht gesprochen. Erst nach der Schule bin ich durch linken politischen Aktivismus in Gruppen gekommen, in denen nicht alle Menschen hetero waren. Plötzlich kannte ich schwule, lesbische, bi- und pansexuelle Menschen und Menschen, deren Geschlecht nicht mit dem übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Und plötzlich war da vor allem durch das Internet dieser Begriff: Asexuell. Ich weiß noch genau, wie ich mich gefühlt habe, als ich zum ersten Mal dessen Definition gelesen habe. Davor war ich selbst sehr abwertend. „Ach was soll das denn sein, diese ganze Sache mit der sexuellen Anziehung ist doch sowieso nur ein totaler Hype, der durch Filme und Bücher viel größer gemacht wird, als er wirklich ist.“ Doch je länger ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr wurde mir klar: Nein, sexuelle Anziehung ist gar keine Erfindung von Hollywood, Menschen fühlen das wirklich, und je länger ich darüber nachdachte desto klarer wurde mir, dass dieser Begriff mich ziemlich gut beschreibt. Zunächst war dieses neue Wissen ein sehr befreiendes Gefühl, aber nichts, was ich mit der Welt teilen wollte. Ich habe stattdessen öfter dieses Wort „asexuell“ in meinem Kopf herumgedreht, mit mir herumgetragen wie eine Murmel in der Hosentasche. Man muss sie nicht rausholen und allen zeigen, man kann sie auch einfach nur ab und zu mit den Fingerspitzen berühren und ein Gefühl für diese neue Identität bekommen. Manchmal habe ich mich vor den Spiegel gestellt und laut „Ich bin asexuell“ gesagt. Lange war das mehr eine Frage, doch irgendwann wurde aus dem Fragezeichen ein Punkt und aus dem Punkt wurde ein Ausrufezeichen. Und als ich mich schließlich damit sicher fühlte begannen meine Coming-outs.

Ich habe nie vorher den festen Plan gefasst, mich jemandem gegenüber zu outen. Meistens entstanden diese Situationen sehr spontan, manchmal sogar zu spontan, wenn ich ehrlich bin. Denn vermutlich gibt es eine bessere Möglichkeit, seinem langjährigen Partner von seiner sexuellen Identität zu erzählen als nebenbei auf einer Party bei ein paar Bier. Er war damals ziemlich überrumpelt, hat das ganze aber ganz großartig aufgenommen, indem er einfach, „Öhh, okay?“ sagte und wir uns wieder der Party zugewendet haben. Einige Wochen später sprachen wir noch einmal länger darüber. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon von sich aus recherchiert und zu meinem Überraschen war seine Reaktion sehr enthusiastisch, denn plötzlich ist ihm klar geworden, dass alles, was an unserer Beziehung gegebenenfalls anders und auch manchmal schwierig war, nichts damit zu tun hatte, dass ich ihn nicht mochte, oder zumindest nicht so sehr wie er mich, sondern dass unsere Beziehung anders ist, weil es eine Beziehung ist, in der es eine asexuelle Person gibt. Heute ist meine Identität nichts, was ich im ersten Gespräch erwähne, aber auch nichts, was ich verheimliche. Ich bin weiterhin in meiner Partnerschaft und Menschen hinterfragen meine Sexualität einfach nicht, weil die meisten gedanklich in sehr heteronormativen Konstrukten festhängen.

Doch irgendwann kommt oft der Punkt, an dem ich sage: Ich bin asexuell. Und obwohl ich diese Situation jetzt schon dutzende, vielleicht sogar hunderte Male hinter mich gebracht habe und viele Reaktionen wirklich sehr, sehr positiv waren, frage ich mich immer wieder, ob ich das überhaupt will, denn am Ende bleiben oft nur die Erinnerungen an unangenehme oder sogar gefährliche Coming-outs hängen. Unangenehme Situationen beinhalten cis Männer, die mir sehr aggressiv sagen, dass ich einfach nur „durchgefickt werden müsse“, cis männliche platonische Freunde, die mir bei meinem Coming-out erklären, dass sie niemals mit mir zusammenkommen wollen würden oder auch Fremde, die mir furchtbar intime Fragen zu meinem Sexleben stellen. Außerdem sind da immer wieder vor allen Dingen in linken queeren Spaces die Leute, die massives Gatekeeping betreiben. Das sind die Leute, die noch immer sagen, dass Asexuelle nicht zur queeren Community gehören und mich nur an ihren Spaces und Diskussionen teilhaben lassen, weil ich mich auch außerhalb meiner sexuellen Identität nicht als heteroromantisch bezeichne. Diese Spaces, in denen ich nicht willkommen bin, werden zum Glück immer weniger.

Das gibt mir sehr viel Hoffnung für die Zukunft und Hoffnung darauf, dass Coming-outs mir irgendwann keine Angst mehr machen, denn auch unabhängig von der Angst und der generellen Unwissenheit in der Bevölkerung finde ich ein Coming-out in Bezug auf Asexualität weiterhin oft schwierig, weil es eben wirklich darum geht, was ich in Bezug auf Sex und Intimität fühle. Das sind sehr private Themen, die ich nicht mit allen Menschen teilen möchte. Das ist auch der Grund, warum ich diesen Text anonym veröffentliche.

Diese Coming-out-Story ist zuerst in der Sommer-Ausgabe der out! erschienen. Vielen Dank an den_die Autor_in!

Herzlichen Glückwunsch an den neuen Bundesvorstand!

Bei der Mitgliederversammlung am 13. Juli 2019 im Berliner Sonntagsclub wurde der neue Vorstand von Lambda Bund gewählt. Mit Caspar Schumacher und Hannah Klaubert sind zwei Mitglieder des alten Vorstands für die nächste Amtszeit bestätigt worden. Dazu gekommen sind Laurenz Kampa, Julius Bittner, Martin Taube und Niklas Gudorf. Herzlichen Glückwunsch!

Die sechs neuen Vorstände haben am Sonntag, 14. Juli, eine konstituierende Vorstandssitzung gehalten und freuen sich auf zwei spannende Jahre mit Lambda. Die nächste Vorstandssitzung findet im September statt.

Du hast Lust, dich bei Lambda zu engagieren und vielleicht irgendwann für den Bundesvorstand zu kandidieren? Hier findest du Infos zum Ehrenamt bei uns.

Podiumsdiskussion „(K)ein Raum für Alle – LSBTIQ am Rande des Wohnungsmarkts“

Am 13. Juli lud Lambda Bund zu einer Podiumsdiskussion im Berliner Sonntagsclub ein, um mit Vertreter*innen von Vereinen und Politik über die Auswirkungen der schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt auf (junge) queere Menschen zu diskutieren.

Wie verändern die hohen Mieten das queere Leben in Berlin, wenn sowohl einzelne Personen als auch Institutionen keinen Raum mehr für sich finden? Können wir gemeinsame Strategien gegen die Verdrängung von LSBTIQ entwickeln? Im Gespräch mit Ina Rosenthal (Rat und Tat e.V.), Sebastian Walter (Bündnis 90/Die Grünen, MdA Berlin), JJ Maurer (Lambda Berlin-Brandenburg) und Dr. Christiane Droste (Leiterin Fair Mieten, Fair Wohnen) wurden die spezifischen Probleme von LGBTIQ und mehrfachdiskriminierten Personen auf dem Wohnungsmarkt adressiert, und auch über Utopien und mögliche Lösungsansätze nachgedacht. Diese müssen, wie Niklas Gudorf (Lambda Bund) in der Moderation am Ende zusammenfasste, sowohl auf der Ebene der Politik wie auch in solidarischen Strukturen und neuen Strategien innerhalb der queeren Community umgesetzt werden.

Wir bedanken uns bei den Podiumsgästen und beim Publikum für einen aufschlussreichen und auch hoffnungsvollen Abend sowie beim Sonntagsclub für die Bereitstellung der Räumlichkeiten.

Du hast in Berlin bei der Wohnungssuche oder in deinem aktuellen Mietverhältnis Diskriminierung erfahren? Bei der Beratungsstelle Fair Mieten, Fair Wohnen kannst du dir Beratung und Unterstützung holen: https://fairmieten-fairwohnen.de/

Eröffnung des Regenbogenportals

„Die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat mit uns gestern das Regenbogenportal eröffnet. Davor gab es ein internes Gespräch zwischen Jugendlichen von Lambda, ehrenamtlichen Peer-to-Peer Berater*innen der In&Out und der Ministerin.

Uns war es ein Anliegen, ihr über die Wichtigkeit unserer queeren Jugendarbeit zu berichten und mit welchen Bedürfnissen und Problemen sich Queers an die peer-Berater*innen von in&out wenden. Immernoch erleben queere Jugendliche und junge Erwachsene Ausgrenzung und Diskriminierung auf Grund ihrer Sexualität und/oder Geschlechtsidentität. Es ist wichtig, dass sie die Möglichkeit haben in Jugendgruppen und Beratungsprojekten, Unterstützung zu finden. Durch das #Regenbogenportal, soll die Suche nach diesen Jugendgruppen und Beratungsangeboten erleichtert werden. Danke, Frau Dr. Giffey für ihren Besuch!“

Foto: Janine Schmitz/photothek.net

Hier geht’s zum Regenbogenportal!